Compliance

KI-Verordnung in 5 Minuten: Der Praxis-Guide für KMUs

EU AI Act: Was musst du als KMU wirklich tun? Keine Paragraphen, keine Panik, nur konkrete Schritte.

Lesezeit: 6 Minuten
EU AI Act in 5 Minuten: Der praktische Leitfaden für KMU

Für: Geschäftsführer, Teamleads, Compliance-Verantwortliche
Ziel: Du weißt danach, was zu tun ist. Heute noch.

Dein Schnellcheck: 3 Fragen

Bevor wir starten, drei Fragen. Ehrlich beantworten.

FrageJaNein
Nutzt dein Unternehmen KI-Tools? (ChatGPT, Copilot, Chatbots...)
Setzt ihr KI für Personalentscheidungen ein? (Recruiting, Bewertung)
Habt ihr KI-generierte Inhalte auf eurer Website?

Auswertung:

  • Alles „Nein"? Der AI Act betrifft dich kaum. Trotzdem weiterlesen, das ändert sich schnell.
  • Mindestens 1x „Ja"? Lies weiter. Du hast Handlungsbedarf.

Was ist der EU AI Act?

Eine Zeile: Die erste KI-Verordnung der Welt. Gilt in der gesamten EU.

In Kraft seitAugust 2024
Gilt fürAlle, die KI nutzen oder anbieten
AnsatzRisikobasiert (mehr Risiko = mehr Pflichten)
VorbildDSGVO für Daten → AI Act für KI

Keine Theorie mehr. Jetzt zu deinen Pflichten.

Die Risiko-Matrix: Wo stehst du?

Der AI Act teilt KI in vier Risikostufen. Deine Pflichten hängen davon ab.

StufeWas bedeutet das?BeispieleDeine Pflichten
🔴 VerbotenGeht gar nichtSocial Scoring, manipulative KI, Emotionserkennung am ArbeitsplatzNicht nutzen. Punkt.
🟠 HochKritische EntscheidungenKI im Recruiting, Kreditprüfung, BildungDokumentation, menschliche Aufsicht, Schulung
🟡 BegrenztInteraktion mit MenschenChatbots, KI-generierte InhalteKennzeichnungspflicht
🟢 MinimalAlltagsnutzungChatGPT für Texte, Übersetzung, RechercheKeine besonderen Pflichten

Realität für 90% der KMUs: Du bist bei 🟢 oder 🟡.

Kategorie 🟢 Minimal: Business as usual

Das betrifft dich, wenn du KI so nutzt:

  • ChatGPT, Claude, Perplexity für Recherche und Texte
  • KI-Übersetzung
  • Spam-Filter
  • KI-gestützte Suche in Tools

Deine Pflichten

Keine spezifischen AI-Act-Pflichten.

Trotzdem wichtig

DatenschutzKeine personenbezogenen Daten in KI-Tools ohne Prüfung
QualitätOutputs prüfen (KI halluziniert)
DSGVOGilt weiterhin. Unverändert.

Kategorie 🟡 Begrenzt: Transparenz ist Pflicht

Das betrifft dich, wenn:

  • Du einen Chatbot auf deiner Website hast
  • Du KI-generierte Texte oder Bilder veröffentlichst
  • Kunden mit KI interagieren (ohne es zu wissen)

Deine Pflicht: Kennzeichnen

SituationWas du tun musst
ChatbotHinweis: „Du sprichst mit einem KI-Assistenten"
KI-generierter TextHinweis: „Mit KI-Unterstützung erstellt"
KI-generiertes BildKennzeichnung sichtbar oder in Beschreibung
Synthetische Medien / DeepfakesKlar erkennbare Markierung

Umsetzung: 1 Stunde Arbeit

  1. Chatbot-Disclaimer hinzufügen (IT-Ticket, 15 Min)
  2. Redaktionsrichtlinie für KI-Inhalte erstellen (Template unten)
  3. Team informieren

Template Redaktionsrichtlinie:

KI-generierte oder KI-unterstützte Inhalte werden gekennzeichnet mit:

„Dieser Inhalt wurde mit KI-Unterstützung erstellt."

Platzierung: Am Ende des Textes / In der Bildbeschreibung

Verantwortlich: [Name/Rolle]

Fertig.

Kategorie 🟠 Hoch: Hier wird's ernst

Das betrifft dich, wenn KI bei diesen Entscheidungen mitmischt:

BereichBeispiele
PersonalKI sortiert Bewerbungen, bewertet Leistung, empfiehlt Beförderungen
FinanzenKI prüft Kreditwürdigkeit, berechnet Versicherungsprämien
BildungKI bewertet Prüfungen, entscheidet über Zulassungen
Kritische InfrastrukturKI steuert Energie, Wasser, Verkehr

Deine Pflichten als Nutzer

Du entwickelst die KI nicht — aber du nutzt sie. Das bringt Pflichten.

PflichtWas konkret
DokumentationSchriftlich festhalten: Welches Tool, wofür, seit wann
Menschliche AufsichtKI empfiehlt, Mensch entscheidet. Immer.
InformationBetroffene wissen lassen, dass KI im Spiel ist
SchulungWer das Tool bedient, muss es verstehen
Logs aufbewahrenNutzungsdaten mindestens 6 Monate speichern

Beispiel: KI im Recruiting

Du nutzt ein Tool, das Bewerbungen vorsortiert oder rankt.

Checkliste:

  • ☐ Tool und Zweck dokumentiert
  • ☐ HR-Team geschult
  • ☐ Finale Entscheidung durch Menschen sichergestellt
  • ☐ Bewerber über KI-Einsatz informiert (Stellenanzeige/Prozess)
  • ☐ Logs werden gespeichert (min. 6 Monate)

Zeitaufwand: 1-2 Tage, einmalig. Dann Routine.

Kategorie 🔴 Verboten: Finger weg

Diese KI-Anwendungen sind ab Februar 2025 illegal. Ohne Ausnahme.

VerbotenBedeutung
Social ScoringMenschen nach Sozialverhalten bewerten
Manipulative KIUnterschwellige Beeinflussung von Verhalten
Emotionserkennung am ArbeitsplatzKI analysiert Gefühle von Mitarbeitenden
Biometrische KategorisierungKlassifizierung nach Rasse, Religion, Sexualität
Predictive Policing (Einzelpersonen)Vorhersage, ob jemand straffällig wird

Für KMUs meist irrelevant. Aber wenn ein Tool-Anbieter so etwas verspricht: Nicht kaufen.

Der Zeitplan: Was gilt wann?

DatumWas passiert
Feb 2025Verbote gelten
Aug 2025Transparenzpflichten für generative KI
Aug 2026Hochrisiko-Regeln vollständig wirksam
Aug 2027Alle übrigen Regeln

Dein nächster Termin: Februar 2025 - Verbote prüfen.
Danach: August 2025 - Transparenz sicherstellen.

Was kostet Ignorieren?

Der AI Act hat Strafen. Echte.

VerstoßMaximalstrafe
Verbotene KI35 Mio. € oder 7% Jahresumsatz
Hochrisiko-Verstöße15 Mio. € oder 3% Jahresumsatz
Falsche Angaben7,5 Mio. € oder 1% Jahresumsatz

Realität für KMUs: Die Maximalsummen treffen dich nicht. Aber proportionale Strafen können trotzdem wehtun. Und Reputationsschäden erst recht.

Wahrscheinlichkeit 2025: Gering für KMUs. Behörden fokussieren auf große Anbieter. Aber: Beschwerden können Kontrollen auslösen.

Dein 7-Tage-Plan

Konkret. Ohne Berater. Diese Woche machbar.

Tag 1-2: Bestandsaufnahme

Erstelle eine Liste aller KI-Tools im Unternehmen.

ToolWer nutzt es?Wofür?Risikostufe
    
    

Frag aktiv nach. Viele Tools haben KI eingebaut, ohne dass es offensichtlich ist.

Tag 3: Risiko-Einordnung

Für jedes Tool: Welche Kategorie?

  • 🟢 Minimal → Keine AI-Act-Pflichten
  • 🟡 Begrenzt → Kennzeichnung nötig
  • 🟠 Hoch → Dokumentation + Aufsicht + Schulung
  • 🔴 Verboten → Sofort stoppen

Tag 4: Quick Wins umsetzen

Transparenzpflichten erfüllen:

  • ☐ Chatbot-Hinweis auf Website
  • ☐ KI-Kennzeichnung für veröffentlichte Inhalte
  • ☐ Redaktionsrichtlinie erstellen

Tag 5: Hochrisiko prüfen (falls relevant)

Wenn ihr KI im Recruiting, Kredit oder Bildung nutzt:

  • ☐ Dokumentation erstellen
  • ☐ Menschliche Aufsicht sicherstellen
  • ☐ Betroffene informieren
  • ☐ Verantwortliche Person benennen

Tag 6: Team informieren

Kurze Nachricht an alle:

Betreff: KI-Nutzung im Unternehmen - kurzes Update

Hi Team,

wir haben unsere KI-Nutzung geprüft und ein paar Regeln festgelegt:

  • [Tool X, Y, Z] sind freigegeben für [Zweck]
  • Keine sensiblen Daten (Kundendaten, Personaldaten) in KI-Tools
  • KI-generierte Inhalte werden gekennzeichnet

Fragen? [Ansprechpartner]

Mehr Details: [Link zu interner Doku]

Tag 7: Dokumentation ablegen

Alles an einem Ort:

  • Tool-Liste mit Risikoeinstufung
  • Redaktionsrichtlinie
  • Schulungsnachweis (falls Hochrisiko)
  • Verantwortlichkeiten

Fertig. Du bist compliant.

Die 5 häufigsten Fehler

FehlerWarum problematischBesser
„Betrifft uns nicht"Jeder, der ChatGPT nutzt, ist betroffenBestandsaufnahme machen
Keine KennzeichnungVerstoß bei jedem KI-Chatbot, jedem KI-TextDisclaimer hinzufügen
KI entscheidet alleinBei Hochrisiko verbotenMensch hat letztes Wort
Keine DokumentationBei Kontrolle kein NachweisEinfache Liste führen
Einmal gemacht, nie aktualisiertNeue Tools, neue RisikenQuartalsweise prüfen

Checkliste: AI Act Ready

  • Tool-Inventar erstellt
  • Risikostufen zugeordnet
  • Chatbot-Disclaimer live
  • KI-Content-Kennzeichnung definiert
  • Hochrisiko-Prozesse dokumentiert (falls vorhanden)
  • Team informiert
  • Ansprechpartner benannt
  • Dokumentation abgelegt

7 von 8? Du bist weiter als 90% der KMUs.

Fazit: 3 Sätze

  1. Der AI Act gilt für dich, sobald du KI nutzt.
  2. Für die meisten KMUs bedeutet das: Kennzeichnen + Dokumentieren.
  3. Eine Woche Arbeit. Kein Anwalt nötig. Heute anfangen.

Ressourcen

AI Act Volltext (deutsch)EUR-Lex
EU-Kommission FAQec.europa.eu
BSI-Leitfaden KI-Sicherheitbsi.bund.de

Weiter lernen

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