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64% nutzen KI – aber nur heimlich: Was die neue ifo-Studie für dein Team bedeutet

Zwei Drittel deiner Mitarbeiter haben wahrscheinlich schon mit ChatGPT experimentiert. Die wenigsten tun das mit dem Segen der IT-Abteilung. Eine neue Studie des ifo Instituts legt offen, was viele COOs ahnen: KI ist längst im Arbeitsalltag angekommen – aber chaotisch, unkontrolliert und ohne messbaren ROI.

Veröffentlicht am 7. Januar 2025

Illustration: Unstrukturierte vs. strukturierte KI-Nutzung im Unternehmen – ifo-Studie 2025

Die Zahlen: Viel Neugier, wenig System

Die Studie „Low Barriers, High Stakes" analysiert Daten von fast 10.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland. Die Ergebnisse sind ernüchternd:

KennzahlWert
Haben KI schon genutzt64%
Nutzen KI regelmäßig20%
Nutzung auf Eigeninitiative66%
Vom Arbeitgeber eingeführt33%

Die Kluft zwischen „mal ausprobiert" und „produktiv integriert" ist enorm. Und noch gravierender: Zwei Drittel der KI-Nutzung passiert im Schatten – ohne offizielle Freigabe, ohne Schulung, ohne Governance.

Die Forscher nennen das „duale Diffusion": KI verbreitet sich gleichzeitig von oben (durch Arbeitgeber) und von unten (durch Mitarbeiter). Das Problem: Die informelle Verbreitung ist schneller, aber flacher – sie erreicht viele, aber ohne Tiefe.

Das Problem hinter den Zahlen

Wenn Mitarbeiter privat ChatGPT nutzen, um E-Mails zu formulieren oder Präsentationen vorzubereiten, entstehen drei Risiken:

1. Datenschutz und Compliance

Sensible Unternehmensdaten landen in öffentlichen KI-Tools. DSGVO-Verstöße sind vorprogrammiert. Mit dem EU AI Act kommen weitere Dokumentationspflichten hinzu, die „Schatten-KI" unmöglich macht.

2. Keine Messbarkeit

Ohne strukturierte Einführung gibt es keine Daten. Wie viel Zeit spart dein Team tatsächlich? Welche Aufgaben werden automatisiert? Die Antwort: Niemand weiß es.

3. Verstärkte Ungleichheit

Die Studie zeigt klar: KI-Nutzung ist „skill-biased". Hochqualifizierte nutzen KI deutlich häufiger. Ohne gezielte Maßnahmen vergrößert sich die Kluft zwischen denen, die KI beherrschen, und denen, die zurückbleiben. Frauen sind 6 Prozentpunkte weniger wahrscheinlich, ihre KI-Nutzung gesteigert zu haben.

Was strukturierte Einführung bewirkt

Die ifo-Studie liefert auch eine gute Nachricht: Dort, wo Unternehmen KI formal einführen, berichten Mitarbeiter von:

  • Höherer Nutzungshäufigkeit – fast die Hälfte der formellen Nutzer verwendet KI „oft" oder „immer", bei informellen Nutzern nur ein Viertel
  • Mehr Weiterbildung – 8 Prozentpunkte höhere Trainingsteilnahme
  • Höheren wahrgenommenen Produktivitätsgewinnen – messbar bessere Ergebnisse bei Zeit, Qualität und Output

Interessant: Diese Effekte bleiben auch bestehen, wenn man für Branche, Beruf und sogar für das einzelne Unternehmen kontrolliert. Formelle Einführung wirkt – unabhängig davon, in welcher Firma man arbeitet.

Von der Neugier zur Kompetenz: Was du morgen tun kannst

Die 44 Prozentpunkte zwischen „hat KI probiert" (64%) und „nutzt KI regelmäßig" (20%) sind keine verlorene Ressource. Es sind Mitarbeiter, die bereit sind – aber nicht wissen, wie sie weitermachen sollen.

Schritt 1: Bestandsaufnahme machen

Frag dein Team: Wer nutzt welche Tools? Für welche Aufgaben? Du wirst überrascht sein, wie viel Schatten-KI bereits existiert.

Schritt 2: Richtlinien setzen

Was darf genutzt werden? Was nicht? Eine klare Policy nimmt Unsicherheit und schafft Rechtssicherheit.

Schritt 3: Niedrigschwellig schulen

Ganztägige Workshops funktionieren nicht. Die Studie bestätigt: Komplexe Anwendungen erreichen die Breite nicht. Was wirkt, sind kleine, kontinuierliche Lerneinheiten, die ins Tagesgeschäft passen.

Schritt 4: Fortschritt messen

Ohne Kennzahlen keine Steuerung. Definiere, was „AI Fluency" für dein Team bedeutet – und tracke den Fortschritt.

Das eigentliche Signal der Studie

Die ifo-Forscher bringen es auf den Punkt: „Widespread informal usage can coexist with limited productivity effects when complementary investments and organizational integration lag behind."

Übersetzt: Viele nutzen KI, aber ohne Training, ohne Integration, ohne Begleitung – und deshalb bleibt der Produktivitätsschub aus.

64% Neugier ist keine Schwäche – es ist ein Potenzial. Die Frage ist: Lässt du es weiter im Schatten wachsen? Oder machst du es produktiv?


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Quelle:
Arntz, M., Baum, M., Brüll, E., Dorau, R., Hartwig, M., Matthes, B., Meyer, S.-C., Schlenker, O., Tisch, A. & Wischniewski, S. (2025). Low Barriers, High Stakes: Formal and Informal Diffusion of AI in the Workplace. ifo Working Paper No. 422. München: ifo Institut.